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Trauer

Manchmal bin ich sehr traurig

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Über das Knicktor mich lehnend,
Pendelt lässig mein Stock
In den übereinandergelegten Händen.
So dicht stehn mir die nächsten Ähren
Des bald sensendurchsurrten Roggenfeldes,
Daß sie die Stirn mir kitzeln.
Schon bräunen sie sich;
Hell doch sticht ihre Farbe ab
Gegen den grünen Heckenzaun,
Gegen den umgrenzenden Wall,
Den roter Mohn,
Blaue Kaiserblumen,
Gelber Löwenzahn,
Weiße Kamillen
In bunter Malerei
Prächtig überflochten haben.
Wahrlich, ein reizender Kranz
Für das große Kornviereck;
Dankbar gewunden
- Ein wenig voreilig scheint mir -
Dem künftigen Segen.
Wie still es ist;
Wie die Lerche jubelt,
Wie die scheue Wiesenralle schnarrt.
Friede, deine Himmelsfahne
Hängt breit und ruhig
Über meinem Haupte.
Hör ich nicht plötzlich vor mir,
Weit hinter dem Getreideschlag,
Schwach, wie aus einem Tälchen steigend,
Den Vorwärtsmarsch?
Mein Stock pendelt nicht mehr;
Ich recke mich,
Um über die leis im Winde
Spielenden Halmspitzen zu schauen.
Und, keine Täuschung mehr,
Über den spielenden Halmspitzen
Glitzern blitzende Helmspitzen.
Immer deutlicher klingen
Die türkische Trommel,
Die Becken,
Die Tuben.
Voran, auf milchweißem Hengst,
Den purpurne Ziertroddeln umtanzen,
Der spanischen Schritt geht
Wie der Gaul im Kunstreiterzelt,
Führt der Oberst.
Und, eine einzige Linie,
Folgt sein Regiment:
Im Gleichschritt,
Ein wenig hörbarer
Den linken Fuß setzend,
Im Takte der Musik
Vor den Füßen
Das wachsende Brot;
Hinter den Füßen
Das zerstampfte Brot,
Die Wüste.
Schrecklich sind der Kriegsbestie
Zerkauende Kiefer;
Aber nie werden sie ruhen,
So lange der Menschen »verfluchte Rasse«
Die schöne Erde bevölkert.
Nur vorwärts, Grenadiere!
Kein Zagetreten!
Ihr verteidigt das Vaterland!
Über euren aufgepflanzten Seitengewehren,
Im rücksichtslosen Angriff,
Schwebt die Siegesgöttin,
Hinter ihnen her zieht schnell der Friede.
Doch ach, ist sein Triumph
Der Triumph ewiger Dauer?
---

Andreas
13.9.05 21:20


Eltern

Meine Eltern:

Monsieur de Saint-Fond zählte ungefähr fünfzig Jahre. Ein geist-reicher Mann, zugleich jedoch von tückischem und hinterlistigem Wesen. Mit einem ungezügelten Hang zu Ausschweifungen ver-band er Grausamkeit und unbegrenzten Hochmut. Er verstand es vorzüglich, Frankreich zu bestehlen, und er zögerte nicht, Haftbefehle auszuschicken, wenn auch nur die geringste Regung seiner Leidenschaften es verlangte. Infolgedessen schmachteten über 20 000 Personen jeden Geschlechtes und Alters in den ver-schiedenen Gefängnissen, mit denen Frankreich übersät ist. Doch unter diesen 20 000 Menschen befindet sich, das schwöre ich dir, kein einziger, der schuldig wäre, so versicherte er mir heiter. D'Albert, erster Vorsitzender des Pariser Gerichtshofes, nahm ebenfalls am Abendessen teil, was mir Noirceuil erst als ich eintrat mitteilte. »Du schuldest«, so sagte er mir, »jener Persön-lichkeit die gleichen Rücksichten wie den anderen. Vor kaum ei-nem halben Tag war er noch Herr über dein Leben oder Sterben; für die Nachsicht, die er dir gegenüber geübt hat, bist du ihm zu Dank verpflichtet; mögest du dich dieser Verpflichtung nach dei-nem besten Können entledigen.«

Andreas
21.8.05 20:55


Regina

Sie hat mir sehr gefallen in dieser Nacht. Aber mit ihr könnte es sehr gefährlich werden. Auch für töchterchen und zauberhaft.

Andreas
28.7.05 21:13


Ich bin immer noch unterwegs. Über den Tag schlafe ich meist, damit man mich nicht sieht. Nachts versuche ich Geld aufzutreiben. Um mich zu entspannen gehe ich manchmal zu Gebäuden wo ich mal wohnte. Vor kurzem war ich in der Nähe von der Wohnung von zauberhaft. Fast hätte ich bei ihr geklingelt.

Andreas
1.6.05 20:23


Meine Geburtsstadt besteht aus Fabriken, Ruß, Rauch und Bauern. Über Tag war kein Mensch auf der Straße. Alle arbei-teten in der Fabrik. Nur hin und wieder eine Frau, die wohl einkaufen ging. Es war ein ewiges Sauwetter. Es war kein Wunder, daß meine Mutter sich einsam und verlassen fühlte, denn mein Vater gammelte monatelang alleine durch die Lande. Weil sie kein Wort deutsch sprach, war sie in diese Scheißstadt gezogen, um meine Ankunft bei einer russischen Schul-freundin abzuwarten. Als der Ehemann ihrer Freundin abhaute, zog diese Hals über Kopf nach Budapest. Weil ich aber früher kommen wollte, hielt meine Mutter hier allein aus. An meinen Alten schrieb sie 'ne Karte nach Istanbul, postlagernd. Seine Antwort: Wohne nicht in einer Typhusstadt, komm zurück nach Amsterdam! Trotzdem wurde ich noch dort geboren. Gott sei Dank blieb ich nur einige Jahre da. Meiner Mutter Familie, ein altes russisches Adelsgeschlecht, beschwor sie in vielen Briefen, mit mir zurückzukehren und meinen Vater in Holland krepieren zu lassen! Doch sie zögerte, sie liebte meinen Vater; als sie dann doch die Nase voll hatte, waren die Grenzen zu und sie dazu verdammt, ihr noch junges Leben in einem kahlen, kalten, faulig verwässerten Froschland zu beenden, obwohl sie die Sprache nicht mal verstand. .
In mancher Nacht fliegen Fetzen meiner Jugend durch die Dunkelheit. Dann bin ich wieder in der rußigen Stadt mit ihren biederen, mißtrauischen Bewohnern, den abgekämpften Arbeitern, den miefenden Bauern, den schielenden Bürgern, den streitenden Weibern und hinterlistigen Kindern mit ihren Rotz-nasen.

Andreas
26.4.05 16:04


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